Stand: 04.10.2007

Konzept der Nordschule zur Leseförderung




1.
Seit 4 Jahren hat die Nordschule Neureut sich besonders der Leserziehung angenommen.


Ausgehend von den Erfahrungen, dass, je jünger die Schüler sind, desto erfolgreicher der Leselernprozess verläuft, wird schon von Beginn der ersten Klasse an festgestellt, welche Kinder Defizite aufweisen. Jedem einzelnen dieser Kinder wird dann ein „Lesepate“ zugeordnet. Hierbei handelt es sich um interessierte, erwachsene Personen, die auf freiwilliger Basis sich bereit erklärt haben, gezielt nach den Vorgaben der Lehrkraft mit dem Kind zu arbeiten. Diese Betreuung des Lesepaten kann sich über mehrere Wochen, Monate, in machen Fällen sogar über Jahre hinziehen. Anzustreben ist, dass auch die Betreuung zumindest über einen Teil der Ferien andauert.



2.
Darüber hinaus wird während des normalen Unterrichts zielgerichtet Leseförderung wie folgt betrieben:

- Arbeiten mit Lautgebärden

- Rhythmische Übungen im Klassenzimmer und in der Turnhalle

- Bilden, Lesen, Erfinden und Neuerzählen von Reimen und Abzählversen

- Sprachspiele

- Lesen unter Einbeziehung musikalischer Betonung

- Lesen der Bücher der Klassenbibliothek mit unterschiedlichen Leseanforderungen



3.
Die Schüler bekommen täglich Lesehausaufgaben, die auch täglich überprüft werden, sodass der Lehrer immer auf dem aktuellen Stand der Leistung der einzelnen Kinder ist und demzufolge auch sofort gezielt eingreifen kann.



4.
Während der ersten beiden Grundschuljahre kommen einmal in der Woche sog. „Lesemütter“ in die Schule, um dort mit einzelnen Kindern der Klasse, die jeweils in Kleingruppen von 2-4 Kindern aufgeteilt werden, während einer Schulstunde mit den Kindern ihrer Gruppe lesen. Die Gruppenzusammensetzung wird den jeweiligen Lesefortschritten angepasst. Da die Lesemütter Mütter von Kindern aus der Klasse sind, besteht bereits ein Vertrauensverhältnis zu den tätigen Müttern.



5.
Um die Freude der Kinder am Buch weiter zu fördern, findet jeden Tag eine gemeinsames Frühstück im Klassenzimmer statt, bei dem der Lehrer vorliest.



6.
Alle Schüler erhalten einen eigenen „Vorlesepass“, in den sie täglich eintragen, wie lange sie zu Hause oder in der Schule vorgelesen oder gelesen haben.



7.
Am Ende des ersten Schuljahres wird das Verständnis eines Buches, das alle Kinder gelesen haben, geprüft und bearbeitet. Dazu beantworten die Kinder selbständig Fragen zu dem Buch.

 

8.
Zur Förderung des Verständnisses des gelesenen und zur Überprüfung des Verständnisses und des Lesestandes erhalten die Schüler Arbeitsblätter mit Fragen zu Texten, die sie allein oder mit den „Lesemüttern“ beantworten.



9.
Es wird das „Lesefitnessprogramm“ der Flohkiste in den Klassen durchgeführt.



10.
Die oben beschriebenen Programmpunkte werden gleichermaßen in der zweiten Klasse mit folgenden zusätzlichen Ergänzungen weiter geführt:

- Mehre Bibliotheksbesuche zur nächstgelegenen öffentlichen Bibliothek, bei der die Kinder in die Bibliotheksnutzung eingewiesen werden und Gelegenheit erhalten, sich dort Bücher auszuleihen.

- Die Lehrkraft holt ca. alle 6 Wochen eine Bücherkiste aus der Bibliothek mit ungefähr 60 Büchern, die die Kinder eigenständig im Klassenzimmer lesen oder auch mit nach Hause nehmen können.

- Die Schüler führen ein „Lesejournal“, in welches zu jedem gelesenen Buch ungefähr zwei Seiten über den Inhalt oder auch sonstige Anmerkungen zu dem Buch eingetragen werden können.



11.
Zum Ende der 2. Klasse findet eine Lesewettbewerb für alle Schüler statt. Die Kinder müssen einen Text gründlich vorbereiten und diesen vortragen. Zusätzlich erhalten sie einen ihnen unbekannten Text. Beide Leistungen werden von einer Jury, bestehend aus drei Erwachsenen, bewertet, wobei der Klassenlehrer nicht zugegen ist.



12.
Jeder Schüler stellt am Ende der 2. Klasse in Form einer Buchpräsentation ein von ihm gelesenes Buch seiner Klasse vor.



13.
Durch die oben beschriebenen Maßnahmen wird gewährleistet, dass alle Kinder einer Klasse schon von Beginn der 2. Klasse an nicht nur lesen können, sondern auch den Inhalt des Gelesenen verstehen. Dies zeigt auch positive Auswirkungen auf andere Fächer, da die Schüler so den Sinn von Textaufgaben in Mathematik leichter verstehen und diese deshalb auch besser lösen können.



14.
Das zunächst in der Grundschule entwickelte „Leseförderungsprogramm“ wurde auch den Hauptschülern der Klassen 5-7 als Projekt vorgestellt. Zu unserer eigenen großen Überraschung meldeten sich spontan eine ganze Reihe von Schülern, die seither mit Freude von der Möglichkeit Gebrauch machen, mit „ihrem“ Lesepaten zu arbeiten. Es entwickelte sich zwischen den Lesepaten und den betreuten Hauptschülern eine persönliche Beziehung, die sich auf die Entwicklung der Hauptschüler positiv auswirkte. Die Hauptschüler genießen es, eine Person nur für sich alleine zur Verfügung zu haben und sind auch deshalb in diesen Stunden in hohem Maße bereit und willig, intensiv mitzuarbeiten.



15.
Durch das Leseförderungsprogramm hat sich auch die Beziehung der Schule zu den Eltern der Grundschüler, deren Kinder die Betreuung durch Lesepaten benötigen, verbessert und positiv entwickelt.

Alle diese Eltern, die sich sonst häufig eher bildungsfern verhalten, kommen auf den Lehrer zu, schätzen die Fortschritte, die ihre Kinder machen, bedanken sich bei den Lehrern und nehmen an allen Veranstaltungen der Klasse wie Elternabend, Bastelnachmittage, Abschlussfeste,
Ausflugsveranstaltungen etc. teil.


Verantwortliche Lehrkräfte:
Fr. Loewen-Hellriegel
Fr. Stengel
Fr. Zell-Axtmann

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